Achtung: Der folgende Text enthält ein paar kleine Spoiler! Auf der Suche nach der wahren Liebe – trotzdem kein Roman nur für Frauen. Derbe Sprüche und der Freudenhaus-Gänger Shakespeare machen...
Achtung: Der folgende Text enthält ein paar kleine Spoiler!
Auf der Suche nach der wahren Liebe – trotzdem kein Roman nur für Frauen. Derbe Sprüche und der Freudenhaus-Gänger Shakespeare machen dieses Buch zu einem amüsanten Zeitvertreib für jedermann.


Ein Buch, das im ersten Kapitel schon mit Vagina-Pilz und Penisneid aufwartet, weckt definitiv Erwartungen, ob gute oder schlechte, sei mal dahin gestellt. Bei diesem Tischgespräch jedenfalls lernen sich Rosas rustikale und Jans noble Eltern kennen. Schon da war klar: dieses Pärchen wird kein Happy End bekommen.
Rosa aus Wuppertal, sich selbst nur als Klischee bezeichnend, trauert ihrem Ex, einem Zahnarzt aus reichem Hause mit eigener Praxis in Düsseldorf, hinterher. Dieser wird in Kürze seine neue Liebe Olivia heiraten. Rosa ertränkt ihren Schmerz in Ramazotti.
Nach einer Zirkusvorstellung trifft Rosa auf den Hypnotiseur Prospero, der ihr eine Seelenrückführung zukommen lässt. Rosa wird erst wieder im Hier und Jetzt aufwachen, wenn sie herausgefunden hat, was die wahre Liebe ist und somit wieder glücklich werden kann.
Ihre Seele landet im Jahre 1594, im Körper William Shakespeares, als dieser gerade im Schlafgemach von dem Mann erwischt wird, mit dessen Frau er kurz zuvor noch splitterfasernackt in den Federn lag. „Sie ist im Bett wie ein Brett.“ wendet Shakespears fast aussichtslose Lage auch nicht zum Guten: Drake ist drauf und dran, ihn zu enthaupten, jetzt auch noch mit der Unterstützung der beleidigten Ehefrau.
Als Rosa merkt, dass ihre Seele im Körper von William Shakespeare gefangen ist, denkt sie nur: „Der einzige leise Trost ist, dass ich nicht mit Kafka in Kafkas Körper bin.“
Shakespeare begibt sich (unfreiwillig) immer und immer wieder in vertrackte Situationen, sei es, weil die Spione Spaniens hinter ihm her sind oder die Tochter des Theaterbesitzers, wo seine Stücke aufgeführt werden. Doch nun ist Rosa bei ihm, zwei Seelen in Shakespeares Körper und zusammen meistern sie jede noch so lebensbedrohliche Lage. Und davon gibt es mehr als genug.
Zu allem Überfluss versucht dann auch noch die Queen (schon damals mit Stock im Arsch), ihren besten Mann in der Armee, den Earl of Essex, mit der Gräfin Maria zu verkuppeln, damit Essex endlich aufhört, sich vor Liebeskummer zu betrinken und endlich die Engländer in die siegreiche Schlacht gegen die Iren führen kann. Und wer wäre besser geeignet, mit honigsüßen Worten die Gräfin, die gerade ihren Bruder verloren hat und daraufhin sieben Jahre trauen will, und den Earl zu verkuppeln? Leider hat Shakespeare bisher nicht viele berühmte Worte niedergeschrieben, sein Stück Hamlet lebt zur Zeit noch von: „Wein oder nicht Wein, Schwein oder nicht Schwein…und liegt Hamlet nackt im Bette bei einem Weibe, fragt er sich: rein oder nicht rein?“
Der Earl of Essex hat verblüffende Ähnlichkeit mit Jan und die Gräfin ist eine frühere Ausgabe von Olivia, so fragt Rosa sich zurecht, ob Seelen über die Jahrhunderte füreinander bestimmt sind…
Nach und nach kommen sich Rosa und Shakespeare näher (wie weit ist man eigentlich noch voneinander entfernt, wenn man sich bereits einen Körper teilt?). Rosa erfährt vom Schicksal Annes, der Frau von Shakespeare und versteht so, weshalb er sich nicht mehr neu verlieben will oder kann.
Nach dem fehlgeschlagenen Rückführungsversuch eines Alchemisten (Rosa hat die wahre Liebe noch nicht gefunden und will schummeln) landen Shakespeares und Rosas Seele gemeinsam in Rosas Zeit. Hier wird einiges auf die Schüppe genommen, was uns heute als selbstverständlich vorkommt. Besonders nett die Szene, als Rosa Shakespeare die gefährliche Welt draußen hinter dem Fenster erklärt: Straßenbahnen, rote Ampeln, Nordic Walker, und die allergefährlichsten Wesen von allen: Fahrradkuriere.
Durch die zwei miteinander kommunizierenden Ich-Erzähler (Rosa in normaler Schrift, Shakespeare in kursiven Lettern) entstehen sehr lebendige Dialoge, die einem auch mal die Tränen in die Augen schießen lassen. Nur vor Lachen versteht sich!
Auch wenn hier immer wieder von der wahren Liebe die Rede ist: dieses Buch
nimmt sich nicht so ernst und ist definitiv kein purer Frauenroman. Im Bunde von „Mieses Karma
“ und „Jesus liebt mich
“ eine gelungene dritte Geschichte von David Safier.
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– Mario
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